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Am Ufer werden Tiere gezählt
Geschrieben von Frank Behling   

Umweltverträglichkeitsprüfung für den Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals ist angelaufen.

Von Frank Behling,  Freitag 01.02.2008 

Kiel - Die Vorbereitungen für den Kanalausbau sind in die nächste Phase gegangen. Jetzt ist die Untersuchung der Naturverträglichkeit der Baumaßnahme an der Reihe. Genau ein Jahr lang sollen Biologen im Auftrag des Wasserund Schifffahrtsamtes Kiel-Holtenau die gesamte Flora und Fauna entlang der Uferbereiche unter die Lupe nehmen.

Möwen zählen? Bild: Thomas Böhrig Möwen zählen? Bild: Thomas Böhrig Den Anfang macht die Erfassung von Zug- und Rastvögeln, die sich eventuell auf ihren Wegen hach Norden am Kanalufer niederlassen. "Wir müssen so viele Angaben über die Tier- und Pflanzenwelt wie möglich sammeln", sagt Jörg Brockmann, zuständiger Planer beim Amt. Er ist federführend mit den Vorbereitungen für die Begradigung der Kanalkurven zwischen Königsförde und der Levensauer Hochbrücke befasst.

Den Auftrag für die Tierund Pflanzenprüfung hat das Hamburger Ingenieurbüro Leguan erhalten. Für die 450 000 Euro sollen Mess- und Erfassungseinrichtungen wie zum Beispiel Fallen im Gelände ausgebracht werden. Aber auch Biologen werden unterwegs sein und Tiere beobachten, zählen und erfassen. Die Sammlung der Daten für die Umweltverträglichkeit wird im Sommer ihren Höhepunkt haben und soll bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein. „Es ist wichtig, dass man dafür eine komplette Vegetationsperiode abbildet", sagt Brockmann.

Nach der Arbeit am Kanal folgt die Zusammenstellung der Fakten im Büro. Ziel ist es, Mitte 2009 den Antrag für das Planfeststellungsverfahren stellen zu können. Mit dem Beschluss wird dann nach zehn bis 15 Monaten gerechnet. Wenn das klappt, könnten im Winter 2010/2011 die ersten Bagger anrollen, wenn nach einem europaweiten Ausschreibungsverfahren die Aufträge vergeben worden sind. Dann sollen 2014 etwa 8,5 Millionen Kubikmeter Erdreich aus den Kurven entfernt werden. Schon jetzt beschäftigt man sich mit der Frage, wohin das Baggergut verfrachtet werden soll. „Wir prüfen da verschiedene Varianten", sagt Brockmann. Auch eine Verwendung des Erdreichs im Hafenbau in Hamburg oder Kiel sei denkbar.

Mit dem Ausbau soll der Kanalbereich für die Schifffahrt sicherer werden.
Zwichen Königsförde und Neuwittenbek sind die Kurven besonders eng, und die Gefahr von Havarien besonders bei Nebel ist hoch.
Außerdem kann nach der Begradigung der Kurven der Kanal auch für bis zu 280 Meter lange Schiffe freigegeben werden.
Testläufe mit derartigen Schiffen haben die Techniker und Lotsen bereits an einem Schiffssimulator in Bremen erfolgreich absolviert.

Da der Kanalausbau sich bereits vor Jahren abzeichnete, hatte das Bundesverkehrsministerium im August 2005 einen Planungsauftrag an die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord erteilt. Angesichts der in Deutschland sehr langwierigen Planungszeiten müssen sich die Reeder jedoch noch gedulden. „Wir bräuchten den Ausbau schon heute, die Schiffe werden immer größer. Es ist bedauerlich, dass die Planungszeiten in Deutschland so lang sind", sagte Jan Petersen vom Schiffsmakler UCA.

Siehe auch:  Anpassung der Oststrecke des Nord-Ostsee-Kanals

(JFlex Images v1.0 ©Ute Jacobi)
 
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