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Keine Millimeterarbeit Drucken
Geschrieben von Frank Behling   

Donnerstag 9. November 2006

Hochdonn - Kurz vor 16 Uhr hielten alle Beteiligten den Atem an. An der Brückenbaustelle in Hochdonn ruhte auf einmal alles. Beim Hinaufziehen der Brücke gab es ein Problem. Der neue Schwebeträger passte nicht durch die Kranportale. Stahlträger auf der alten Brückenrampe waren zu lang. Minuten nach der ersten Stille auf der Baustelle zischten die Schweißgeräte. Arbeiter in Warnwesten und mit Sicherungsleinen machten sich an den Enden des in knapp 40 Metern Höhe über dem Kanal schwebenden Bauwerks zu schaffen. Sie flexten und brannten alles ab, was den Einbau behinderte. Ein bunter Funkenregen ging auf beide Uferböschungen nieder.
Während in Kiel bereits die ersten Schiffe in Marsch gesetzt wurden, rotierten die Arbeiter. Kurz nach 18 Uhr dann das Stoppsignal: Es durften keine weiteren Schiffe in den Kanal einlaufen. Diejenigen, die sich bereits im Kanal befanden, durften langsam bis zur Brücke fahren und mussten in der Weiche Dückerswisch an die Dalben gehen.

Keine Maßarbeit in HochdonnWaren es zunächst nur Geländer und Bleche, die das Einfädeln behinderten, kam um 19 Uhr die nächste Überraschung. Längsträger für den Aufbau der Eisenbahnschienen auf der alten Rampe an der landseitigen Zufahrtsbrücke waren gut zwei Meter zu lang. Die neue Brücke blieb an diesen Trägern mit einer leichten Schräglage hängen.
Bis Mitternacht mussten die Träger abgebrannt werden.
Mit sechsstündiger Verspätung sollte die Brücke heute gegen 1 Uhr für den Schiffsverkehr freigegeben werden.
Durch den Austausch der Schwebeträger bieten zukünftig alle zehn Kanalhochbrücken den Schiffen eine einheitliche Durchfahrtshöhe. Während der alte Schwebeträger in 41,8 Metern über dem Wasserspiegel den Kanal querte, ruht der neue Träger jetzt in genau 42 Metern Höhe.  Ermöglicht wurde diese Erhöhung der Durchfahrtshöhe bei gleich bleibendem Höhenniveau der beiden Gleise durch einen Trick. " Wir haben beim Bau der Brücke auf Schwellen verzichtet und die Schienen direkt an der Brücke befestigt", sagte Projektleiter Rüdiger Schröder. "
Bislang war Hochdonn die Höhenkontrolle für den Kanal", fügt der Ingenieur vom Neubauamt des Kanals mit einem Schmunzeln hinzu.

Die Erneuerung des alten Schwebeträgers war auch eine Spätfolge einer Kollision des DDR-Frachters "Karl Marx". Das Schiff des DSR war 1978 mit seinem Schwergutladebaum gegen die Brücke gefahren und hatte dabei schwere Schäden verursacht. Diese und die Folgen einer zweiten Kollision 1993 ("Kanok Naree") waren lange Zeit unterschätzt worden und hatten letztlich nach einer Untersuchung zu Beginn dieses Jahrzehnts zu dem Entschluss zur Erneuerung geführt, sagte Schröder.
An dem neuen Schwebeträger werden im nächsten Jahr auch noch Restarbeiten ausgeführt. So muss im Sommer der Korrosionsschutz aufgetragen werden. Diese Arbeiten konnten aufgrund der Kürze der zeit nicht im Nordhafen vorgenommen werden. Die Firma Krupp Stahlbau hatte zwischen Auftragsvergabe und Ablieferung weniger als zehn Monate Zeit. "Das war schon eine schwere Aufgabe, wenn man bedenkt, dass wir erst am 23. Dezember den Auftrag bekommen haben", erklärte Bauingenieur Peter Rossmeier, der die Aufgabe hatte, den Bau der Brücke und den Abbau des alten Trägers zu organisieren. Dass es am Ende doch noch spannend wurde, konnte aber auch er nicht vorhersehen.

(siehe auch: Neue Brücke für Hochdonn in Kiel auf Kiel gelegt

 
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