Nord-Ostsee-Kanal Infos | Startseite arrow Verkehrschaos auf Kanal und B76
Verkehrschaos auf Kanal und B76
Geschrieben von Frank Behling   


Foto der WILMA von Dieter Kannengießer dragons-schiffsfotos.de

Ein Deckskran des Frachters "Wilma" hat gestern Abend für Aufregung am Nord-Ostsee-Kanal gesorgt.
Das Loch von LevensauDer Ausleger des Krans bohrte sich gegen 17.30 Uhr in die neue Levensauer Hochbrücke und löste ein Verkehrschaos auf dem Kanal aus. Als die ersten Meldungen vom Zusammenstoß des Frachters mit der Brücke bei den Leitstellen von Polizei und Feuerwehr auflief, war zunächst von einem Zusammenstoß mit der 1894 gebauten alten Brücke die Rede gewesen. Sofort wurde deshalb der Bahnverkehr nach Eckernförde sowie der Straßenverkehr auf der alten Brücke gesperrt. Um 19.30 Uhr kam dann die Überraschung: Der Kran hatte ein große Loch sowie ein kleines in die Ostseite der neuen Levensauer Hochbrücke gerissen.
Sofort wurde daraufhin diese Brücke und damit auch die B76 gesperrt.
Fast zwei Stunden waren Autofahrer ahnungslos über die Brücke gefahren, ohne zu wissen, dass unter ihnen ein großes Loch in der Konstruktion klaffte. Erst die  Ausleuchtung der Brücken durch den Schlepper "Holtenau" und die Feuerwehr Kiel brachte dann um 19.22 Uhr die Erkenntnis, dass tatsächlich die neue Brücke getroffen worden war.

Schwergutfrachter WILMADie Untersuchung dieser 20 Jahre alten Brücke durch Techniker und Statiker dauerte bei Redaktionsschluss noch an.
Deshalb war auch noch nicht absehbar, wie weit die Brücke für den
Fahrzeugverkehr ab heute früh wieder nutzbar sein wird.
Unklar ist bis jetzt die Unfallursache.
Die "Wilma" hatte kurz nach 17 Uhr die Holtenauer Schleusen und wenig später die Holtenauer Hochbrücken passiert.
Wenig später hatte sich dann einer der der drei großen Deckskräne des 151 Meter langen Schwergutfrachters aufgerichtet. Kapitän und Lotsen hatten dies nicht bemerkt, da die Kommandobrücke des Schiffes vorn angeordnet ist. Erst der Knall der Kollision alarmierte die Besatzung. Verletzt wurde  aber an Bord nach ersten Erkenntnissen niemand. Der Kran selbst wurde bei dem Zusammenprall ebenfalls schwer beschädigt.

Die für den Kanal zuständige Revierzentrale in Brunsbüttel gab dem Schiff die Erlaubnis zur Weiterreise nach Rendsburg. Dort traf der Frachter noch am Abend ein. Dort begannen auch die Beamten der Wasserschutzpolizei mit der Vernehmung der Besatzung. Die Ermittlungen konzentrieren sich jetzt auf die Frage, ob der Kran sich automatisch aufrichtete oder ob ein Besatzungsmitglied bei der Bedienung des Krans nicht wusste, dass der Kanal noch mehr Brücken hat.

Erhebliche Auswirkungen hatte der Unfall auf den Schiffs- und Bahnverkehr. Die Deutsche Bahn AG richtete sofort nach der Sperrung der alten Brücke einen Schienenersatzverkehr zwischen Kiel und Gettorf ein. Damit keine weiteren Schiffe in den Kanal gelangen konnten, wurde in Holtenau und Brunsbüttel das Einschleusen von weiteren Schiffen gestoppt.
Bis zum Abend sammelten sich deshalb auf Holtenauer Reede mehrere Schiffe. In den Kanalweichen sammelten sich bis Mitternacht mehr als 20 Schiffe.
Wie schwerwiegend Schiffskollisionen sein können, zeigte sich in Hochdonn. Dort musste nach zwei Kollisionen im November das komplette Mittelteil ausgetauscht werden.

 
< zurück   weiter >