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Mit der ELISABETH RUSS durch den Kanal
Nord-Ostsee-Kanal Artikel
Geschrieben von Kanalfan   

Meine unglaubliche Geburtstagsüberraschung

 

Am Kanal Am Kanal Normalerweise bin ich an meinem Geburtstag immer im Urlaub, auf jeden Fall nicht zu Hause. Ich mache mir lieber einen schönen Tag mit meinem Liebsten – es ist schön sich um nichts kümmern zu müssen.
Aber vor meinem 50. Geburtstag war alles anders.
Mein Freund war ständig am Telefon und ich merkte, dass irgend etwas anders war als sonst. Trotzdem wollte ich, 50. hin oder her, am Samstag Richtung Süden fahren – nur diesmal versuchte Tom mich davon abzuhalten.

Den Samstag über packten wir alles für unseren Urlaub zusammen und immer noch dachte ich, dass ich meinen Freund noch überzeugen könnte, Samstag schon aufzubrechen .
Fehlanzeige! Samstagabend kam und nichts deutete daraufhin, dass wir noch losfahren würden. Mein Freund hatte es nicht so leicht mich bei Laune zu halten.

Der Wecker klingelte ungewöhlich früh und an ein gemütliches Geburtstagsfrühstück war nicht zu denken. Kaum wachgeworden klingelte es an der Tür und meine Tochter und ihr Freund standen vor der Tür. Na, die können einen ja erschrecken – es war noch nicht einmal halb sieben Uhr.
Thomas hatte Picknicksachen vorbereitet und schnell saßen wir alle im Auto.
Allerdings wurden mir die Augen verbunden und ich war gespannt wohin die Fahrt gehen würde. 

Ich merkte trotz zugebundener Augen, daß wir Richtung Hafen unterwegs waren und schon nach kurzer Zeit hielten wir an. Mara und "Linnux", unser Hund verließen das Auto, meine Augenbinde wurde abgenommen, weil wir zur Ausweiskontrolle an die Schleuse zum Nord-Ostsee-Kanal fuhren.
Ich war so aufgeregt, daß ich am ganzen Körper anfing zu zittern.
Nach kurzem Schnack verließ uns auch Theo und jetzt gab es ja nicht mehr viel zu raten, was meine Lieben sich wohl für eine Überraschung ausgedacht hatten. Sollte es wirklich wahr sein, daß ich jetzt mit Tom durch den Kanal fahren durfte?
Im Maklerbüro wurden wir sehr freundlich begrüßt und bekamen die Information am Seefahrtsheim auf die Ankunft des Schiffes zu warten. Aber welches Schiff würde es sein?
Unzählige Male waren wir am Kanal entlang gelaufen und viele Schiffe haben wir gesehen und fotografiert. Immer wieder schwärmten wir von der Idee, einmal mit einem so großen Pott durch den Kanal fahren zu dürfen.
ELISABETH RUSS in der Schleuse von Holtenau ELISABETH RUSS in der Schleuse von Holtenau Im Traum war ich oben auf der Brücke und hatte natürlich einige Schiffe dabei favorisiert. Und jetzt standen wir am Seefahrtsheim und Tom mußte mich kurz in den Arm zwicken, damit ich spürte, daß das heute kein Traum war, als plötzlich gegen 7 Uhr ausgerechnet mein Lieblingsschiff, bei aufgehender Sonne, in die Schleuse Holtenau in Kiel einlief. Nicht genug, daß ich kurz davor stand meinen heißgeliebten Kanal zu befahren, kam auch noch wirklich durch Zufall die „ELISABETH RUSS“ ein elegantes, imposantes, riesiges Schiff – mein Traumschiff!! Manchmal merkt man doch, wenn man ein Sonntagskind ist!!!!

Die nette Frau vom Maklerbüro holte uns ab und wir liefen schnell über das Schleusentor zum Ro-Ro Frachter. Jetzt war Kondition gefragt, denn es ging etliche Stufen und Leitern hoch bis wir endlich auf der Brücke ankamen. Ich war richtig aufgeregt und konnte es kaum fassen welch schöner Ausblick mir von dort oben möglich war.

Kaum angekommen wurden wir vom polnischen Kapitän begrüßt, der mir auch gleich zum Geburtstag gratulierte. Außer dem Kapitän waren noch einige Besatzungsmitglieder, zwei Kanalsteuerer und ein Lotse an Bord. Das hat mich ja total gewundert wie viele Personen für eine Kanalpassage vorgeschrieben sind.

Die nächste Überraschung folgte, als uns der Stewart zu unserer Kabine brachte. Sie war so luxuriös, 2 Zimmer mit Blick nach vorne raus und tollem Bad. Das leckere Frühstück stand schon bereit – und wir mußten schmunzeln, als wir an die mitgebrachten Stullen dachten. Wer konnte das ahnen???

Wir waren viel zu aufgeregt zum Frühstücken und so waren wir wieder schnell oben auf der Brücke, wo sich jetzt nur noch der Lotse und die beiden Steuermänner aufhielten. Der Kapitän war in seine Kabine gegangen.

Auf der Brücke Auf der Brücke Ich war wie auf Wolke 7 und so glücklich, daß wir diesmal nicht schon vor meinem Geburtstag in Urlaub gefahren waren.  
Es war ja erst Anfang April und da kann ja ganz schön mistiges Wetter sein. Aber heute war ein ganz besonders schöner Sonnenaufgang und genau der richtige Tag für eine Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal. Ich genoss den wunderschönen Ausblick von der Brücke und bemerkte fast gar nicht gleich, als sich die ELISABETH RUSS langsam und majestätisch aus der Schleuse schob. Ich konnte fast bis zu unserem Haus schauen und ich fühlte mich ein bißchen wie ein "VIP". Es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl.

 

Warten in der Weiche Warten in der Weiche Vor uns waren 3 Containerschiffe in Richtung Brunsbüttel ausgeschleust worden, die wir aber an der Weiche bei Suchsdorf eingeholt hatten. Auch wir mußten dort auf entgegenkommende Schiffe warten.
Es war spannend zuzusehen, wie die Kanalsteuerer das riesige Schiff auf Kurs hielten und manchmal kamen wir sehr nahe an die vorderen Schiffe heran.
Als die Ampel auf grün schaltete, durften wir die Reise fortsetzen.
Tom und ich standen draußen und ließen uns den Wind um die Nase wehen.

 

 

Fähre Landwehr Fähre Landwehr Ich traute meinen Augen kaum als ich Mara, Theo und Linnux winkend auf der Fähre Landwehr erkannte.
Ich war so weit oben, daß sie ganz klein aussahen. Auch die Spaziergänger am Kanal waren winzig von der Brücke aus.
Wir konnten die ganze Fahrt weit über den Kanal ins Land schauen und entdeckten viele Stellen, die wir später noch einmal zu Fuß erkundet haben.
Da wir ja so etwa unsere gesamte Freizeit am Kanal verbringen, kennen wir schon unzählige schöne Stellen am Kanal zum Laufen, Picknicken sogar zum Paddeln.

Die Zeit verging wie im Fluge.
Der Kapitän hatte uns am Anfang der Fahrt gesagt, daß wir ca. 7-8 Stunden unterwegs sein werden. Das kam mir erst lang vor, aber jetzt wollte ich am liebsten die Zeit anhalten. Die Fahrt sollte nicht zu Ende gehen.
Gegen 12 wurde uns in der Kabine das Mittagessen serviert. Leckeres Huhn mit Gemüse und Pommes, sowie viele verschiedene Kuchen und andere Leckereien.
Alles hatten sie wieder so schön vorbereitet, aber wir hatten eigentlich gar keinen Hunger sondern wollten jede Sekunde auf der Plattform oder auf der Brücke genießen.

Die Rendsburger Hochbrücke Die Rendsburger Hochbrücke Wir passierten die wunderschöne Eisenbahnbrücke bei Rendsburg, die natürlich zu meinen Lieblingsbrücken zählt. Unzählige Male sind wir schon mit der Schwebefähre gefahren.
Dort wurden wir von der Schiffsbegrüßung mit der Nationalhymne begrüßt. Das ist auch ein erhebendes Gefühl.
Danach fuhren wir an unserer Lieblingshundewiese vorbei, die ja leider nicht mehr lange für die Allgemeinheit zur Verfügung stehen wird.
Darüber bin ich jetzt schon traurig.

 

Die Lotsen wechseln Die Lotsen wechseln Nach Rendsburg kommt ja dann bald Rüsterbergen, wo wir einen neuen Lotsen an Bord bekamen. Die Kanalsteuerer wechselten sich nur ab, blieben aber an Bord. Die Gepräche mit ihnen waren sehr informativ.
Wir konnten den Flughafen Schachtholm gut erkennen.
Von dort ist Tom vor kurzem mit einem Ultraleichtflugzeug über den Kanal geflogen (worden! ;-)  ).
Fliegen ist für ihn das tollste, ich bleibe lieber auf dem Boden und so genieße ich weiterhin die so ruhige gemütliche Fahrt mit der ELISABETH.

 

Begegnung mit FRIEDRICH RUSS Begegnung mit FRIEDRICH RUSS Plötzlich wurde es etwas hektisch auf der Brücke. Einige Besatzungsmitglieder hatten sich oben versammelt und bald wußte ich auch warum. Das Schwesterschiff kam aus Richtung Brunsbüttel und zwar die FRIEDRICH RUSS.
Beide Schiffe begrüßten sich stürmisch mit einem lauten Hupkonzert, was ich noch nie auf dem Kanal bei Spaziergängen gehört hatte. Viele winkende Hände - Grüße flogen von Schiff zu Schiff. Viele Fotos wurden geschossen.
Eine kurze Begegnung – und schon ging es weiter Richtung Brunsbüttel vorbei an der schönen Haalerau, wo wir schon öfter Adler beobachten konnten.
Viel zu schnell waren wir plötzlich schon kurz vor Brunsbüttel, nachdem wir insgesamt 10 Brücken und 14 Fähren passiert hatten.
Mit der Zeit war der Wind heftiger geworden. Es war zwar sonnig, aber richtig saukalt auf der Plattform. Trotzdem stand ich die ganze Zeit über draußen und konnte mich gar nicht sattsehen an der Landschaft, den Schiffen - dieses Gefühl auf der ELISABTH RUSS zu stehen war einfach so großartig, dass ich gar nicht merkte, dass ich schon Erfrierungen an den Oberschenkeln hatte.
Vor der Schleuse in Brunsbüttel wurde es nochmal einmal etwas enger, weil schon einige Schiffe auf die Einfahrt in die Schleuse warteten, aber der Lotse und die Kanalsteuerer hatten alles unter Kontrolle.

Der Kapitän Der Kapitän Am Ende der Reise kam der Kapitän wieder auf die Brücke und übernahm das Ruder. Er steuerte seine ELISABETH ruhig und besonnen in die enge Einfahrt. Dann waren alle Leinen fest und das bedeutete, daß wir nun leider mein Traumschiff verlassen mußten.
Wir packten unsere Sachen und verabschiedeten uns von der Mannschaft. Am liebsten wären wir noch bis nach Rotterdam mitgefahren, aber wir wurden ja schon sehnlichst von Mara, Theo und Linnux erwartet.

Ganz sicher werde ich diese außergewöhnlich tolle Geburtstagsüberraschung nie vergessen !!!

(JFlex Images v1.0 ©Ute Jacobi)
 
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