Brücke des Unglücksfrachters geborgen

14.01.2011 16:35 von Frank Behling (Kommentare: 0)

Um 8 Uhr begannbei Kanalkilometer 32 die Bergung der Kommandobrücke. Nach rund sechs Stunden lag der schwer ramponierte, 13 Meter breite Steuerstand sicher auf einem Ponton. Er wurde zur Nobiskrug-Werft nach Rendsburg gebracht.
Die Brücke war am Donnerstag beim Zusammenstoß vom Aufbau des russischen Frachters  "Tyumen 2" abgerissen worden. Das Vorschiff des Containerfrachters "OOCL Finland" hatte sich so unglücklich mit der Brückennock der "Tyumen 2" verhakt, dass die komplette Brücke aus ihrer Verankerung gerissen und von der "OOCL Finland" über Bord gezogen wurden und anschließend in den Kanal fiel.
"Es ist alles klasse gelaufen", sagte am Nachmittag der Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) Brunsbüttel, Thomas Fischer. Experten des WSA haben nach der Bergung die Unglücksstelle noch einmal abgesucht und anschließend die meist befahrene künstliche Wasserstraße der Welt für den Schiffsverkehr wieder freigegeben. Während der Bergung fuhr das Schwesterschiff des havarierten Frachters, die "Tyumen-1" vorbei. "Ich kann mir schon vorstellen, dass die Besatzung bei dem Anblick ein mulmiges Gefühl hatte", sagte Fischer.

Bei dem Unglück waren ein 43 Jahre alte Kanalsteurer aus Kiel und ein 57 Jahre alter Seelotse aus Brunsbüttel getötet worden. Es war das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass ein Mitglied des Vereins der Kanalsteurer und ein Lotse bei einem Unglück auf dem Kanal zu Tode kamen.

Der Kieler Kanalsteurer hinterlässt eine Frau und einen 16 Jahre alten Sohn. Der erfahrene Nautiker steuerte seit zehn Jahren Schiffe durch denKanal und war bei seinen Kollegenbeliebt. Die Führung des Vereins Kanalsteurer zeigte sich tief betroffen von dem Verlust des Kollegen. Die Flagge vor dem Haus der Kanalsteurer weht seit Donnerstag auf Halbmast. Der 1908 gegründete Verein der Kanalsteurer hat heute 155 Mitglieder, die alle auf das Steuern der Schiffe im Kanal spezialisiert sind. 
An der Unglücksstelle nahe der Grünentaler Hochbrücke waren seit 8 Uhr die Schlepper "Hans" und "Moritz" mit dem Ponton "P 1" der Firma Hans Schramm & Sohn aus Brunsbüttel im Einsatz. Sie bargen gegen Mittag das erheblich deformierte Stahlteil und sollten es anschließend nach Rendsburg zur Obereider schleppen. Dort liegt bei der Nobiskrug Werft der schwer beschädigte Frachter "Tyumen 2".

Der 45-jährige Kapitän und ein 23-Jähriger Seemann des russichen Frachters liegen weiterhin mit schweren Verletzungen im Krankenhaus, sind inzwischen aber außer Lebensgefahr. Ein weiterer Offizier des russischen Frachters hatte sich am Knöchel verletzt und wurde ambulant behandelt.

Die schwer beschädigte "Tyumen 2" soll möglicherweise nach Königsberg (Kaliningrad) in eine Werft geschleppt werden. Die bei dem Zusammenstoß leicht beschädigte „OOCL Finland“ hat nach der Untersuchung in Rendsburg die Reise noch am Donnerstag fortgesetzt.

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